Eigentlich würde ich am Boot arbeiten…

der geplante Sliptermin wäre schließlich am Sonntag in 14 Tagen.
Aber der Corona-Virus hat alles durcheinander gebracht.

Da passt gut der Ausspruch einer Pastorin, den ich in einem Beitrag über Helgoland vernahm:

Wenn du Gott zum Lachen bringen willst, erzähl ihm von deinen Plänen.

Mittlerweile habe ich nach anfänglichem Staunen und steigender Besorgnis über die von China sich global rasch ausbreitende Corona-Pandemie realisiert und folge strikt dem Rat der Experten, meine sozialen Kontakte auf das nötigste einzuschränken und vorzugsweise zu hause zu bleiben. Einkaufen nur einmal die Woche, keine Zusammnkünfte mit Freunden und Familie – aber ausgedehnte Radtouren an der frischen Luft mit meiner Ilse.

Mit dem Boot bin ich allerdings auch nahezu fertig:

Neues Antifouling war bereits im Herbst aufgebracht.

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Der neue Fäkalientank ist eingebaut und die zahlreichen „widerspenstigen“ Schläuche sind angeschlossen.

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Und sogar der Saildrive meines Volvo-Motors ist wieder in Ordnung. Beim Getriebeölwechsel vor gut einer Woche kam mir eine graue Emulsion entgegen: Wasser im Öl. Die schadensursache hatte ich dann relativ rasch lokalisiert, nachdem ich es geschafft hatte, das Wellengehäuse unten am Saildrive auszubauen. Die Simmerringe hatten sich in die Welle eingearbeitet und dichteten somit ungenügend ab. Zum Glück half mir die Motoreninstandsetzung Spatz & Heitmüller aus Bemen (gegen gewohntes fürstliches Entgelt) rasch aus der Patsche und arbeitete die Welle auf. Letzten Dienstag konnte ich alles einbauen und 3 Liter Getriebeöl wieder auffüllen. Geschafft !!!

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Jetzt heißt es nur noch aufräumen und die Kajüte reinigen.
Aber das kann warten. Ich fahre aus Prinzip nicht mehr zum in der Halle liegenden Boot auch wenn ich in der Woche so ziemlich allein dort bin und ansonsten auch reichlich „Sicherheitsabstand“ zu anderen Sportkollegen halten kann.
Ich möchte konsequent handeln, unnötiges Herumfahren vermeiden und so auch ein Zeichen für den Ernst der Lage setzen.

Mein Wassersportverein WVW hat verantwortlich gehandelt Unser Bootshaus ist seit 18.03. bis erst mal 19.04. (?) geschlossen, alle Slip-Termine sind abgesagt und es wird auch darum gebeten soziale Kontakte so weit es geht zu vermeiden.

Wie es nun angesichts der dramatischen Verbreitung des Virus mit seinen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Begleiterscheinungen weiter geht und ob die verhängten Maßnahmen ausreichend greifen, kann sicherlich niemand vorhersagen.
Wir können uns nur in Geduld üben und froh über die recht intakte Infrastruktur in Deutschland sein.

Wer mag da noch an das Hobby Segelsport oder gar Urlaub im Ausland denken?

Neulich las ich in einer Kolumne der Nordsee-Zeitung ein paar Zeilen aus dem Gedicht Rezept von Mascha Kaleko, einer galizisch-berlinischen Poetin, die mir zur jetzigen Situation geradezu passend erschienen:

Jage die Ängste fort und die Angst vor den Ängsten.
Für die paar Jahre wird wohl alles noch reichen…
…Lebe auf Zeit und sieh, wie wenig du brauchst…
Feg deine Stube wohl. Und tausche den Gruß mit dem Nachbarn.
Flicke heiter den Zaun. Und auch die Glocke am Tor…
Zerreiß deine Pläne. Sei klug und halte dich an Wunder.
Sie sind lang schon verzeichnet im großen Plan.
Jage die Ängste fort und die Angst vor den Ängsten.

Nachfolgend habe ich für mich -wenn ich „nach Corona“ das einmal nachlesen möchte- ein paar Fakten zu Corona aufgeführt:

Am 07. Januar wurde von chinesischen Behörden ein neuartiges Corona-Virus (SARS-CoV-2) als Verursacher von Lungenkrankheiten in der Millionenmetropole Wuhan festgestellt. Die durch den Virus ausgelöste Krankheit erhielt den Namen COVID-19 und kann in zahlreichen Fällen über schwere Lungenentzündung zum Tod führen.
Ursprünglicher Infektionsort war der Wuhaner Großhandelsmarkt für Fische und Meeresfrüchte, von wo aus sich der Virus binnen weniger Wochen nahezu über die ganze Welt ausbreitete.
Die Zahl der weltweit bestätigten Fälle (Dunkelziffer!)beläuft sich bis zum 20. Marz auf mehr als 245 Tsd Erkrankungsfälle. Die Zahl der weltweiten Todesfälle stieg bis zu diesem Tag auf über 10 Tsd.

Das fatale ist die rasante Ausbreitungsgeschwindigkeit des Virus, die dadurch bedingt ist, das Infizierte ggf. erst nach 10-14 Tagen ihre Infektion bemerken, inzwischen aber berets weitere infiziert haben können. Die Teste auf Infektion dauern derzeit auch noch zu lange – derzeit sind noch keine Schnelltests verfügbar.

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Sehr eindrucksvoll ist die entsprechende Grafik der täglichen Neuinfektionen für Deutschland.

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Daher wird in Deutschland -wie auch in vielen anderen Staaten in unterschiedlicher Ausprägung- das soziale Leben weitestgehend eingeschränkt – bis auf Versorgung und Infrastruktur fast ein Shut-Down des Landes.
Hierdurch soll die Ausbreitungsgschwindigkeit des Virus verlangsamt werden um die Gesundheitssysteme nicht zu überlasten.

Entlstung soll später ein Impfschutz bringen, der aber aller Voraussicht nicht vor Herbst zur Verfügung stehen wird.

Bund und Länder haben sich gerade heute in einer Telefonschalte von Kanzlerin Merkel auf ein umfangreiches Kontaktverbot mit wenigen definierten Ausnahmen geeinigt:
Ansammlungen von mehr als 2 Personen sind grundsätzlich verboten.

In ein paar Wochen werden wir sicherlich wissen, ob die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus greifen.

Und falls es dieses Jahr nichts mehr mit Segelsport wird, werde ich das hinnehmen !

Wir sind mit unserem kleinen Grundstück und Haus ohnehin privilegiert. Man kann sich gut im Garten beschäftigen und auch Fahrradausflüge mit Picknick im Grünen sind für Ilse und mich -wie auch gestern- möglich.

Autor: Sailing-Rainer

Langzeittörns in Nord- und Ostsee mit Sy Swantje (EMKA 29 HT) Gern auch einhand

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