Ausgebüxt: „Auf See zu“

Ich hab einen klasse Sommerliegeplatz beim WSDE Drochtersen am Ruthensperrwerk an der Elbe und kann von hier aus Erkundungsfahrten im Elbrevier starten.

Da Corona-bedingt auch dieses Jahr für mich eine Langtour in den Norden ausschied, kam plötzlich der Wunsch nach mehr Meer. „Erst Mal weg von Land“ dieser Ausspruch vom langjährigen Segelfreund Peter halte in meinen Ohren. Also daher gestern kurzfristig einhand zum roten Felsen Helgoland gestartet.

68 sm musten vom Ruthenstrom aus bewältigt werden, gut die Hälfte davon auf dem Elbszrom bis Cuxhaven. Hochwasser im Ruthenstrom war 06:20. Ich startete daher um 05:30 um möglichst lange etwas vom Ebbstrom zu haben und ihn nicht zu früh auf den Kopf zu kriegen, möglichst erst nach Verlassen der Außenelbe bei Bake Y, wenn ich direkten Kurs auf Helgoland nehmen würde. Das Wetter versprach mit Wind aus SW handig zu werden, lediglich vorhergesagte Gewitterböen mit 5-6 Bft machten mir ein wenig Sorgen.

Bei der Abfahrt um 05:30 begeisterte mich zunächst der Sonnenaufgang und kurz darauf ein Kleinbootfischer.

Bald kam Brunsbüttel, die Elbefähre von Cux und die Ostermündung in Sicht. Und auch die Großschifffahrt nutzte das Hochwasser.

Angetrieben durch den Ebbstrom rauschte Swantje nur so dahin.

So dass Cuxhaven und die Kugelbake gegen 10:00 erreicht waren.

Das Segeln unter 1. Reff und kleiner Fock machte mächtig Spaß. Auch wenn ich wegen eines Gewitterschauers vorsorglich ein 2. Reff reinzog. Mit meinem Einleinen-Reff vom sicheren Cockpit aus kein Problem.

Hinter Cux überholte mich der Helgoland-Dampfer, Ich beobachtete fischende Krabbenkutter und einen in die Elbe fahrenden Schleppzug.

Nun begannen auch langsam die Probleme mit dem einsetzenden Gegenstrom, die meine Fahrt auf nur wenig über 3 kn über Grund herabsetzten. Endlos zog es sich bis zur Bake Y hin. Außerdem musste ich einen Holeschlag machen, bekam erneut einen heftigen Gewitterguß mit und ging sicherheitshalber wieder auf das 2. Reff.

Nach der Bake Y alle Reffs raus und ich hatte gut mit dem Gegenstrom zu kämpfen.

Den Kurs nach Helgoland konnte ich nicht direkt anliegen. Der Wind kam zu spitz. Meine Winfahnensteuerung nahm aber jeden Winddreher mit und machte das beste draus. Bald entschied ich aber die Maschine mitlaufen zu lassen, ich kam zu weit vom Kurs ab und 1 m – Welle reduzierte neben dem nicht unerheblichen Gegenstrom meine Fahrt zusätzlich. Unerwartet nahm ca. 15 am vor Helgoland der Wind stark ab und die See wurde ruhiger. Alle Segel runter und unter Maschine Direktkurs Helgoland.

Helgoland war vor grauem Himmel erst sehr spät auszumachen.

Dankenswerterweise bekam ich einen Liegeplatz im WSC Helgoland.

12,5 h hatte die Fahrt über 68 am gedauert.

Ich war etwas geschafft aber glücklich über die abwechslungsreiche Fahrt, zumal über Helgoland der Himmel aufriss und ich noch abendliche Sonnenstunden genießen konnte, bevor es früh in die Koje ging.

Heute morgen gings gleich zum Meerwasserfreibad vorbei an der jetzt fertig gestellten neuen Kaje am Binnenhafen und danach gab’s ein ausgedehntes Bordfrühstück. Da die nächsten Tage von Gewitterschauern geprägt sein werden habe ich auch vorsorglich meine Küchebude aufgebaut.

Und danach – ich ganz nicht lassen – eine Wanderung zum Nordstrand und dort ein Bad. Eine Möwe bewachte dabei mein Zeug und beim Schwimmen könnte ich den Touristenstrom beim Rundgang übers Oberland beobachten.

Während ich diesen Beitrag schreibe, gewittert und schauert es mächtig. Für morgen sind Böen bis 35 kn vorhergesagt. Das verspricht einen gemütlichen Tag an Bord und Dank Küchenbude mit freier Rundumsicht.🙂

Autor: Sailing-Rainer

Langzeittörns in Nord- und Ostsee mit Sy Swantje (EMKA 29 HT) Gern auch einhand

3 Kommentare zu „Ausgebüxt: „Auf See zu““

  1. Hallo Rainer,
    schön, dass Du an Deiner Untriebigkeit fest hältst und jeden dieser Momente genießen kannst 😉
    Wir hoffen, das Wetter ist gnädig mit Dir, wünschen Dir einen schönen Aufenthalt sowie eine perfekte Heimfahrt.

    LG Anja und Dieter

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