Und erstens kommt es anders

Und erstens kommt es anders…
Ja- Olivier hatte uns noch „fair winds“ gewünscht für den 350sm langen Schlag nach Formentera.
Die hätten wir gebrauchen können. Statt dessen eine ölige See mit nur 2 bft von achtern. Viel zu wenig zum Segeln.
Gegen 12:40 in Teulada ausgelaufen, verwöhnte ich uns alle bei einem späten Mittagessen mit Blumenkohl, frischen Bratwürsten und einem Glas Rotwein. Das gute Essen, das Wiegen in alter Dünung sowie das monotone Brummen der Motoren sorgte für Schläfrigkeit bei denen, die gerade nicht Wache gingen. Abendessen viel aus.
Die nacht war kalt und ungemütlich. Bedeckter rabenschwarzer Himmel nur unterbrochen durch zeitweilige Regenschauer. Kein Vergleich mit den schönen Sternenhimmeln der vergangenen Nächte. Dafür passables Seeverhalten, nur Schaukeln in hoher Altsee. Man kann halt nicht alles haben.
Vereinzelt suchten auch Singvögel Schutz bei uns auf dem Boot. Im Salon mochten wir sie aber doch nicht haben und immer wieder musste ein armer Geselle hinaus befördert werden.
Gegen 07:00 weckte uns Hannes mit unschöner Bootschaft. Er hatte wegen Kühlwasseralarm den Stb- Motor ausschalten müssen. Nicht gut – wir liefen nur noch 4 kn und auch unter Sicherheitsaspekten bei der grossen Entfernung zu Land und kaum Wind sehr unerfreulich.
Routiniert machten wir uns an die Fehlersuche. Trotz genügend Kühlwasserfluss wollte der Alarm nicht verstummen. Bei abgeklemmten Warnsummer lief die Maschine einwandfrei ohne zu überhitzen. Und welch ein Wunder: Nach dem Frühstück erlosch auch die Warnlampe. Auch der Summer wurde wieder angeklemmt. Die Maschine läuft jetzt seit Stunden einwandfrei. Es war also ein Fehlalarm bedingt ggf. durch Kontaktschwierigkeiten. Bei der Gelegenheit haben wir auch verbrauchtes Motorenöl bei beiden Maschinen nachgefüllt.
Zur Zeit kommt gerade die Sonne raus. Die Altsee ist allerdings noch höher geworden. Bei den Balearen hat es ordentlich geweht. Hannes schätzt sie auf ztw. bis zu 3 m. Dann ist es für Hannes nicht unbedingt ein Spaß aus den mitgeführten Kanistern den Haupttank aufzufüllen.
Jetzt am 2. Nachmittag haben wir noch 200 sm bis Formentera. Noch 2 hoffentlich ruhige Nächte und zumindest etwas Wind der unsere Fahrt unterstützt.
Nach dem frühen Abendbrot (Schweineschnitzel und Penne in Tomatensauce) sitzen Gert und ich im Salon. Hannes ruht in seiner Kabine.
Wir sinnieren über die Fahrt. Wir hätten uns etwas besseres Wetter gewünscht und natürlich weniger Probleme mit dem Boot. Aber wir sehen das auch als Herausforderung, es gibt viele positive Momente und wir haben ja auch erst ca. 1/3 der Distanz absolviert. Da mag noch vieles kommen….
Jetzt meine Hundewache – von Hannes um 01:00 übergeben. Eintrag der Position und Wachwechsel ins Logbuch. Oh erfreulich: Nur noch 150 sm bis Formentera, dieses kleine Eiland der Balearen, welches unmittelbar auf unserem Weg westwärts Richtung Gibraltar liegt.
Wir werden dann wohl am 04. April morgens dort eintreffen. Auf Formentera lebt seit Jahren meine Mutter – allein und etwas zurückgezogen. Ich habe ihr vorab geschrieben. Unser Besuch ist willkommen. Ich freue mich auf ein Wiedersehen. Zuletzt war ich 2007 ebenfalls anläßlich einer Cat-Überführung mit Hannes dort.
Am Hafen ist bestimmt nen Leihwagen verfügbar, so dass wir zur Finca meiner Mutter gelangen können und ich ausserdem Gert und Hannes die Insel zeigen und Einkäufe erledigen kann. Abends hat meine Mutter uns ins Restaurant zum Essen eingeladen! Prima Aussichten.
Gute Sicht auch jetzt auf meiner Hundewache. Der Sternenhimmel ist zu sehen. Leichter Wind von vorne. Nicht ganz so kalt. Die Salontür kann offen stehen. Ich mag es, wenn von draussen die Geräusche hereindringen. So fühle ich mich näher am Geschehen.
Habe mein Vorliebe für Hörbücher und Musik wieder aufleben lassen. Hier an Bord gibt es dazu in den Freistunden viele Gelegenheiten. Mein Smartphone ist vollgepackt mit hörenswertem. Und ich konnte in Teulada auf Sadinien einen In-Ear- Kopfhörer erwerben, der sich mittels beiliegender Silikonstöpsel gut individuell anpassen ließ. Also Hörgenuss pur.
Jetzt zum Beispiel beim Betrachten des Sternenhimmels „No Angel“ von Dido.
Heute Nachmittag hörte ich den 2. Teil des mit dem Deutschen Hörbuchpreis 2016 ausgezeichneten Hörspiels „Wir“ von Jevgenin Samjatin. Das erzeugte wirklich opulente Bilder im Kopf.
Ein Blick auf die Uhr. Nur noch 1h Wache. Bald wecke ich Gert. Ich kann dann bis zum Frühstück gegen 08:00 noch mal in die Koje. Herrlich.
Ich freue mich auf den morgigen Tag und die Ankunft auf Formentera.
Heute gab’s noch mal schönen Segelwind aus S und die Sonne schien. Da war eine Seewasserdusche mit der Pütz auf der Badeplattform fällig und danach -dank Boiler- eine warme Süßwasserdusche.
Da heute Sonntag, gab’s nach der spanischen Nudel-Gemüsepfanne auch Nachtisch. Hannes hatte vorsorglich Annanasringe in den Einkaufskorb geschmuggelt.
Formentera kann kommen.
Jetzt nur noch 60 sm⛵⛵⛵😊

Autor: Sailing-Rainer

Langzeittörns in Nord- und Ostsee mit Sy Swantje (EMKA 29 HT) Gern auch einhand

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