Port Ellen -unser letzter Hafen in Schottland

Die Wetterberuhigung nach Regen, Regen… in Corpach ließ uns blitzschnell mit dem Schleusenmeister einen Termin für die Seeschleuse nach draußen vereinbaren. 13:00 hieß es, und das passte wunderbar mit unserer Tideberechnung Richtung Oban zusammen.

Aber zunächst noch ein Überfall der Midges, so heißen hier die kleinen fiesen Mücken. Diese, wegen fehlendem Wind und Regen aus ihren Verstecken gekommen, peinigten mich beim Abbau des Zirkuszeltes mächtig. Alles was ihr über die Plagegeister wissen wollt, findet ihr z.B. hier

https://www.myhighlands.de/tipps/mucken-vermeiden-in-den-highlands/

Gert hatte unterwegs schon mal Wanderer mit merkwürdigem Kopfschmuck gesichtet. Er meinte Imker oder so. Ich vermutete bereits damals das sie Mückennetze an ihren Mützen tragen würden.

Der Schleusenvorgang ging schnell vonstatten, aus-checken aus dem Canal und um 13:45 ließen wir mit 3 anderen Booten die Seeschleuse hinter uns und näherten uns Fort William. Bei null Wind, schlechter Sicht (0,5 sm) und zeitweise Sprühregen wurde es eine rasche Fahrt Richtung Oban (knapp 70 sm). Starker Schiebestrom begünstigte bald wie vorgesehen unsere Fahrt und wir lagen bereits um 19:30 in der Marina Oban fest. Kurz vor Oban sahen wir noch das Greenpeace Schiff, welches scheinbar in der Nähe vor Anker ging.
Übrigens, wir wären gern in der Bucht vooooon Oban vor Anker gegangen. Die Bucht war jedoch so mit teils belegten Mooringtonnen bestückt, das wir keinen geigneten Platz fanden, auch in Bezug auf die Wassertiefe (15m).
Also an den Marinasteg bei der Werft gegenüber vom Ort. Dort hatten wir es nach Absuchen mit dem Fernglas erst gar nicht probiert, auch weil ein anderer Segler erfolglos wieder abdrehte.

Es war eine kurze Nacht in Oban. Das Wetter sollte nächsten Tag nicht unbedingt für Landausflug prall sein, wir wollten auch nicht einen ganzen Tag spendieren. Die Tidebetrachtung ergab folgende Alternativen: Start um 04:00 oder Start um 14:00 in Oban. Einstimmig legten wir uns auf 04:00 fest. Dabei hatten wir im Hinterkopf unter Ausnutung von 2 Tiden es ggf. bis Port Ellen schaffen zu können (60 sm) und nicht in der Craighouse Bay (sehr schön, kannte ich von Tour mit Peters SY Harlekin) zu ankern (40 sm).

Auf dem Weg nach S gab es zwei exponierte Fahrwasser. Einmal die Engstelle zwischen Fladda und Dubh Sgeit und auch die Passage des Gulf of Corryvreckan – beide unter ungünstigen Bedingungen mit sehr starken Tideströmen. Wir hatten bei Slack und passendem Wetter keine Probleme. Der Gegenstrom setze wenig später schlagartig ein, einzelne Wasserwirbel und an einigen Stellen machten wir nur 2,5 knots über Grund. Das änderte sich jedoch schnell und mit gut 4 kn übeer Grund lässt sich leben.

Wir machten alle Wetter mit. Anfangs Nebel und nur 0,2 sm Sicht, später bessere Sicht aber rundherum Hochnebel, später langsam aufreißender Himmel und einmal wurde es zwischendurch sogar ganz blau. An den Berghängen Grün in allen Schattierungen, wie im Schottland Fotobuch. Wir machten viele Segelversuche und kamen alles in allem von den 60 sm auf insgesamt 14 gesegelte.
Wir machten uns dann noch den Spaß und auch um Peter eine Freude zu bereiten und segelten durch das gesamte Loch Mille mit der Craighouse Bay, bei dort gutem Wetter und Sonnenschein. Herrlich, das baute die Seele auf. Danach erst einmal wieder motoren aber später Herrlicher Segelwind und wieder einsetzender Schiebestrom, der das Boot unter Groß und Genua auf 7 kn ü. Gr. beschleunigte.

Kurz nach 16:00 waren wir in Port Ellen fest. 60 sm in 12 h, nicht schlecht unter den Tidebedingungen.
Von Port Ellen waren wir auf der Insel Islay waren wir auf Anhieb begeistert. Eine fast kreisförmige Bucht, gesäumt von Strandabschnitten und niedlichen Häuschen. Gute Schwimmsteganlage mit jede Menge freier Plätze. Wir fanden schnell den Kaufmann, erstanden eine Flasche Malt, bauten das Zirkuszelt auf und bereiteten uns einen schönen Abend und einen erholsamen Schlaf.

Heute morgen erst mal das Schiff ein bischen innen und außen gesäubert. Wir sind jetzt schließlich seit gut 4 Wochen unterwegs mit knapp 1000 sm im Kielwasser. Außer zog ich gert zur Saling hoch, unsere Schottland Gastlandflagge hatte sich dort verbessert, was von unten nicht mehr zu klarieren ging.
Dan aber auf zur Ortsbesichtigung. Unsere A und Ohs hallten nahezu über die Bucht, so begeister waren wir von den Ansichten. Ma kann sich gut vorstellen, das es auf den anderen Hebriden-Inseln ähnlich schöne Flecken gibt und man könnte sicherlich einen ganzen Urlaub in diesem Revier verbringen.

Wir haben aber ja den Plan BRITAIN Rund und müssen mit unserem Zeitbudget haushalten. Wir werden hier und da immer nur ein Stück von der ganzen Herrlichkeit mitbekommen.
Um so schöner sind dann ungeplante Hafentage wegen Starkwind. Dann schauen wir uns dort vor Ort ganz genau und intensiv um.

Dies ist der letzte schottische Hafen. Das Bild zeigt alle Häfen die wir in Schottland bereits an gelaufen haben.
Morgen oder Übermorgen, das Wetter ist noch nicht ganz klar – geht’s hinüber nach Nordirland zur Rathlin Insel oder nach Ballycastle.
https://www.myhighlands.de/tipps/mucken-vermeiden-in-den-highlands/
Heute Abend beschäftigen wir uns noch mal mit dem Malt. Uns wird es hoffentlich nicht so gehen, wie im Cartoon dargestellt.

Die Internetverbindung ist hier etwas bescheiden. Ich stelle daher nur wenige Bilder ein und werde bei passender Möglichkeit noch mal nachliefern.

Gruß
Gert und Rainer

Autor: Sailing-Rainer

Langzeittörns in Nord- und Ostsee mit Sy Swantje (EMKA 29 HT) Gern auch einhand

4 Kommentare zu „Port Ellen -unser letzter Hafen in Schottland“

  1. Hey ihr zwei Seevagabunden!
    Dass ihr meine schöne Ankerbucht „Graighouse“ verschmäht habt und gleich bis Port Ellen durchgelaufen seid, war sicher die richtige Entscheidung. Ich habe mich jedenfalls gefreut, dass ihr da noch einmal durchgeführan seid. Jetzt habt ihr wenigstens einen guten Absprunghafen nach Irland.
    Die weitere Routenänderung nach Süden macht auch Sinn. Erst einmal aus der unruhigen NE-Ecke weg. Unsere guten Wünsche begleiten euch weiterhin und wir freuen uns über die detaillierte Berichterstellung und die Bilder.
    Ich habe aber die Befürchtung, dass ihr den Whiskey fast alleine trinkt und Neptun zu wenig davon abbekommt. Ihr wisst ja, das kann Ärger geben.
    Gruß Peter

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  2. Mannomann, diese Tidestromsegelei hört sich mächtig herausfordernd an! Da wird mir ganz mulmig schon alleine beim Zugucken. Schön, dass Ihr zwischendurch so schöne Ausblicke hattet – aber irgendwie auch schade, dass Schottland vorbei ist. Vielleicht könnt Ihr ja von dort etwas Impfstoff mitnehmen nach England gegen Brexitis.
    Wir schwitzen weiter unter Saunabedingungen – da kommt selbst im Friesi ordentlich Seegang auf durch die badenden Massen…
    Und auch schön, dass Ihr Klettern könnt!

    Macht weiter so!

    Volker

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